Im Gedenken an „100 Jahre Hyperinflation“ zeichnen wir die Entwicklung der rasanten Geldentwertung des Jahres 1923 anhand ausgewählter Geldscheine aus unserem Bestand nach. Wir starten unseren Rückblick mit den ersten fünf Monaten. Die Ursachen der dramatischen Geldentwertung reichen zurück bis zum Ersten Weltkrieg: Zur Finanzierung der Kriegskosten wurde seitens der Reichsregierung die Golddeckung der Mark aufgekündigt. Sie hatte bis dato die Stabilität der Währung garantiert. Folglich konnte Papiergeld seit dem Kriegsbeginn am 4. August 1914 nicht mehr gegen Edelmetallmünzen eingelöst werden.
Während des Krieges verlor die Mark sukzessive an Kaufkraft, bis diese nur noch die Hälfte betrug. Der anfängliche Plan, durch einen „Siegfrieden“ die Kriegskosten auf die Besiegten abzuwälzen, löste sich mit der Deutschen Kapitulation am 11. November 1918 in Luft auf. So war Deutschland zum Zeitpunkt des Kriegsendes hoch verschuldet. Zusätzlich bürdete das Friedensdiktat von Versailles 1919 dem Reich derart hohe Kriegsreparationen auf, dass diese durch die eigene Wirtschaftskraft nicht finanziert werden konnten. Als Ausweg blieb nurmehr eine drastische Ausweitung der Geldmenge die zur Folge hatte, dass die Mark 1920, verglichen mit dem Vorkriegsstand von 1914, gegenüber dem US-Dollar nur noch 1/10 ihres Wertes besaß: 1914 bekam man für 4,20 Mark einen US-Dollar, 1920 mussten dafür bereits 42 Mark auf den Tisch gelegt werden.
Die Deckung der Kosten über die Notendruckerpresse blieb das Mittel der Wahl. Ende 1921 hatte die Mark weiter an Wert verloren. Im Vergleich zum August desselben Jahres war sie nun nur noch 1/100 eines US-Dollars wert. Ende 1922 sank der Wert auf 1/1000. Symptomatisch für den bereits 1922 einsetzenden Übergang von der galoppierenden Inflation in eine Hyperinflation ist die 5.000-Mark-Note der Badischen Bank vom Dezember 1922. Im Gegensatz zur galoppierenden Inflation mit schnell steigenden Preisen und einer Inflationsrate von über 20%, prägen die Hyperinflation eine gigantische Preissteigerung mit einer Inflationsrate von über 50% sowie eine sich verschnellernde Umlaufgeschwindigkeit des Geldes: Um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen, wird das Geld möglichst rasch wieder für Güter ausgegeben und die immer schneller erfolgende Nachfrage führt gleichsam zu immer schnelleren Preissteigerungen.
Nicht einmal durch die drastische Geldmengenausweitung konnten die Reparationsforderungen der Alliierten bedient werden. Daraufhin besetzten französische und belgische Truppen zwischen dem 11. und 16. Januar 1923 kurzerhand Teile des stark industrialisierten Ruhrgebiets als „produktives Pfand“ für die ausstehenden Reparationszahlungen. Eine militärische Reaktion seitens Deutschlands war ausgeschlossen. Daher rief die Reichsregierung unter dem Kanzler Wilhelm Cuno (1876–1933) die Bevölkerung im okkupierten Gebiet zum passiven Widerstand auf. Die Lohnfortzahlung wurde den Streikenden von der Reichsregierung garantiert. Aufgebracht werden konnten diese enormen Summen wiederum nur mit Hilfe der Druckerpresse. Dadurch befeuert nahm die Hyperinflation an Fahrt auf: Kostete Anfang des Jahres 1922 ein US-Dollar noch 200 Mark, lag der Wechselkurs der Mark zu einem Dollar am 18. Januar 2023 bereits bei 25.000 Mark. Dieser Wertentwicklung trug im Februar 1923 eine Reichsbanknote über 100.000 Mark Rechnung.
In der Weimarer Republik, lag wie auch schon im Kaiserreich das Monopol zur Emission von Banknoten nicht ausschließlich bei der Reichsbank. Nach dem Ersten Weltkrieg existierten noch vier private Notenbanken: Die Badische Bank, die Sächsische Notenbank, die Württembergische Bank und die Bayerische Notenbank. Die Hyperinflation stellte die deutschen Notenbanken bei der Produktion von Geldscheinen vor eine große Herausforderung: Der Wert der geplanten, entworfenen und schließlich gedruckten Banknoten entsprach bereits zum Ausgabezeitpunkt nicht mehr der eigentlich anvisierten Kaufkraft. Die Banknotenherstellung kam der Geldentwertung nicht hinterher. So gab die Bayerische Notenbank am 1. März 1923 eine Note zu 20.000 Mark heraus, deren Gegenwert zum Ausgabezeitpunkt bei nur mehr einem US-Dollar lag.
Gegenüber dem Dollar erholte sich der Kurs der Mark im März und in der ersten Aprilhälfte 1923 ein wenig. Folglich gab es auch in dieser Zeit wieder zuversichtliche Prognosen, dass sich die Hyperinflation begrenzen lassen könnte. Doch nach dieser kurzen Phase der Stagnation kam die Hyperinflation Mitte April wieder ins Rollen: Innerhalb eines Monats stieg der Wechselkurs zum Dollar von 20.000 Mark auf 30.000 Mark. Es war nur folgerichtig, dass die Reichsbank am 1. Mai 1923 bereits eine Note zu 500.000 Mark herausgab. Die für die Zeitgenossen unglaublich hohen Nominale des Frühjahrs 1923 mit bereits sechsstelligen Nennwerten sollten jedoch noch lange nicht den Höhepunkt der Geldentwertung im Krisenjahr 1923 darstellen.